Concierto Ibérico lässt in Ganderkesee Vogelstimmen klanglich aufleben

Concierto Ibérico lässt in Ganderkesee Vogelstimmen klanglich aufleben

In der St. Cyprian- und Corneliuskirche trat das Barockensemble Concierto Ibérico auf und rückte Vogelstimmen musikalisch in den Mittelpunkt. Der Abend war geprägt von Wärme und betonter akustischer Magie.

28.04.2026, 17:05 Uhr

In der St. Cyprian- und Corneliuskirche gastierte das Bremer Ensemble ”Concierto Ibérico” mit seinem künstlerischen Leiter Jose González.Ingo Möllers

Da könnte man glatt ins musikhistorische Fabulieren kommen über die Geburt der Musik und das, was aus ihr im Laufe ihrer Geschichte so geworden ist. Es war in uralten Zeiten, als einer unserer Vorväter vom Gesang der Vögel um ihn herum so inspiriert war, dass er ihn mit seiner Stimme nachahmte: Die Musik war geboren. Viele tausend Jahre später, das Singen der Menschen war zur hohen, vielstimmigen Kunst geworden, es gab mittlerweile auch Musikinstrumente, gefiel einem Instrumentenspieler die gesungene Musik so gut, dass er sie auf seiner Laute oder seiner Orgel nachspielte. Womit wir die Geburtsstunde einer selbstständigen Instrumentalmusik erlebt hätten.

Diese an eine Märchenerzählung erinnernde Geschichte umgibt etwas Unwirkliches. Das Konzert des Bremer Ensembles „Concierto Ibérico“ am Sonntag in der St. Cyprian- und Corneliuskirche stellte zwischen dem Thema „Vögel“ und der Musik zuerst einmal eine ganz reale Beziehung her. Das Programm war mit „Canarios – Vögel in der Musik zwischen Oud und Gitarre“ überschrieben und versammelte zwischen Nachtigall und Eichelhäher, zwischen süßem Gesang und rauem Krächzen allerlei musiktaugliche Vogelstimmen.

Betonung auf das Zauberische

Das „Canarios“ im Titel ist vieldeutig, meint auch die Ureinwohner der Kanarischen Inseln, die als Sklaven nach Spanien gebracht wurden. Es meint auch den Canarios, einen raschen Tanz im Dreiertakt. Und es meint das Vögelchen, das sich durch seine virtuosen Vokalisen auszeichnet. Das hätte gut ein Konzert von vielen zum Thema „Vögel in der Musik“ werden können. Aber die Musiker von „Concierto Ibérico“ machten das märchenhaft Zauberische, von dem anfangs die Rede war, zum Ausdrucksmittelpunkt ihrer Musik.

Da hinein passt perfekt die Oud, die Kurzhalslaute aus Vorderasien, die als die dynamischste und klanglich feinste unter den Lauten gilt, bei Hofe beliebt war und auch heute noch als „Fürst der Musikinstrumente“ gilt. Die Oud, gespielt von Bakr Khleifi, hatte das erste Wort im einleitenden „Los Bilbilicos“, der Musik eines anonymen Barockkomponisten mit ihrer biegsamen, arabisch getönten Melodik, die Inés Pina Pérez mit ihrer barocken Tenorflöte und der Sopranflöte (und später etlichen anderen) sanft und anschmiegend übernahm.

Was ihr der künstlerische Leiter Juan González mit seiner Barockposaune mit aller klanglichen Wärme nachtat: Da sangen zwei Nachtigallen. Die Musik hatte eine schwingende Bewegtheit, die vom Percussionisten Hannes Malkowski mit seiner sanft-mächtigen Handpauke und den afrikanischen Trommeln immer auch mal ganz jazzigen Swing-Charakter bekam. Den erhielt die Musik oft auch durch die swingenden Bassläufe des Gitarristen Daniel Seminara auf der Theorbe. Das große Cembalo, das Lea Suter spielte, war von alles umhüllender Wärme. Was gleich in diesem ersten Stück faszinierte, war die Art, wie das Ensemble aus melodischer Ruhe in einer fast unmerklichen Bewegung mit Hochspannung hier das Tempo steigerte.

Tanz- und Lebensfreude im Fokus

Diese Gespanntheit war auch zugegen im attacca, also pausenlos sich anschließenden „Abu Zrek“, der Musik vom Eichelhäher von Bakr Khleifi. Es ist Musik auf der Basis eines ostinaten, sich wiederholenden Themas. Wie das Ensemble hier jeder melodischen Wiederkehr einen neuen Ausdruck gab, war hohe Kunst. Francisco de Tejadas „Canario“ gab der Posaune die Möglichkeit zum Anders-Sein, ließ sie kichern, lachen. „Concierto Ibérico“ gilt als Barockensemble, ihr Programm „Canarios“ zielt aber weniger auf die Darstellung barocker Form- und Ausdruckstypen, sondern auf soziale Bereiche, auf Tanz und Lebensfreude.

Lea Suter spielte Jean-Philippe Rameaus „Le Rappel des Oiseaux“ am Cembalo als Musik tiefer Innerlichkeit mit der Fülle des Vogelgesangs unter südlicher Sonne. Das Thema „Vogel“ war wohl beliebt bei den Komponisten der Barockzeit, und das Programm des „Concierto Ibérico“ hatte eine Fülle von Namen zu bieten zwischen Gaspar Sanz, Alessandro Poglietti, Diego Ortiz und Michael Praetorius. Ja, auch dieser urdeutsche Meister hatte dank des so sprühend tänzerischen Spiels des Ensembles eine Ausstrahlung von südländischem Temperament. Begeisterter Applaus und eine Zugabe. Und noch einmal ein Bravo für packendes, anrührendes, fantasievolles, meisterliches Musizieren.

Günter Matysiak – Weser Kurier